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NEWS Profitabler Datenklau: Hacker kapern Online-Spiele-Konten

Der Online-Spielemarkt feiert Rekordumsätze. Da wollen Cyber-Kriminelle mitverdienen. Und so steigt die Zahl der Angriffe auf Konten von Spielern.

Neue Gefahr für WoW-Spieler - Drohend baut sich der gewaltige Drache vor Ihnen auf und setzt zum Angriff an. Da muss das mächtige Breitschwert her! Also greifen Sie beherzt in die Waffenkammer – doch die ist restlos geplündert: kein Schwert, keine Rüstung, kein Kampfross. Der Lindwurm vollendet sein tödliches Werk.

Wenn Sie im Online-Fantasy-Spiel World of Warcraft (WoW) auf einmal quasi nackt auf der Lichtung stehen, ist klar: Hacker haben sich Ihre wertvolle Ausrüstung unter den Nagel gerissen. Mit Ihrem Schicksal stehen Sie nicht allein da: Das Abgreifen von Zugangsdaten für Online-Spiele nimmt massiv zu und so sind schnell auch Waffen oder komplette Online-Spielfiguren verschwunden.

Millionen-Markt für Hacker - Was sich für PC-Nutzer ohne Rollenspiel-Erfahrung unglaublich anhört, ist für Christian Funk normaler Alltag. Der Virenanalyst und Online-Spiel-Experte der russischen Sicherheitsfirma Kaspersky Labs hat es täglich mit Angriffen auf die Konten von Online-Spielern zu tun. Kein Wunder: Nach aktuellen Hochrechnungen beläuft sich der jährliche Verkaufswert von Spielekonten und Gegenständen allein bei Ebay auf 11,5 Millionen Euro. Eine Online-Spielfigur lässt sich oft für mehr als 1.000 Euro versilbern.

Schädlinge auf Spieler-Hatz - Funk: „Ebay ist ein Verkaufskanal von vielen. Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer beim Umsatz von Spiele-Account-Daten viel höher liegt. Da der Missbrauch von illegal verkauften Spielegütern nicht nachhaltig verfolgt wird, ist der Handel mit gestohlenen Account-Daten weniger risikoreich als etwa mit Kreditkartendaten.“ Um an virtuelle Ausrüstung zu kommen, machen Cyber-Kriminelle mit ausgeklügelten Schadprogrammen, Phishing-E-Mails und Hacker-Attacken Jagd auf Online-Spieler.

Schadprogramme: Derzeit sind rund 2,4 Millionen auf Online-Spiele spezialisierte Schädlinge unterwegs. Die meisten sind Trojaner, die den PC über infizierte Seiten („Drive-by-Download“) kapern. Besonders gefährdet sind Spieler, die in Online-Tauschbörsen nach geklauten Spieleversionen (Cracks) und Key-Generatoren suchen. Denn oft steckt hinter den Downloads ein Trojaner wie „Magania“. Der durchsucht infizierte PCs auf Zugangsdaten und Kennwörter von Online-Spielekonten, um sie heimlich per Internet zu verschicken. Der beste Schutz gegen die Schädlinge: ein ständig aktualisiertes Internet-Sicherheitspaket.

Phishing: Mit Köder-E-Mails, deren mitgeschickte Links auf nachgebaute Seiten von Spiele-Portalen führen, greifen Kriminelle massenhaft Kontodaten ab. Wer etwa „WoW“ in die Datenbank der Anti-Phishing-Experten von PhishTank eingibt, erhält eine Liste mit Hunderten aktuell aktiver Abzockseiten. Seien Sie deshalb vorsichtig bei E-Mail-Angeboten, die zu schön klingen, um wahr zu sein. Zudem sollten Sie nicht auf Links in E-Mails klicken, sondern die Adresse der Zugangsseite Ihres Spiele-Portals von Hand in die Adresszeile des Browsers tippen.

Hacker-Angriff: Auch über Angriffe auf Websites kommen Hacker an Kontodaten. Die südkoreanische Polizei beschuldigte jüngst Hacker aus Nordkorea, massenhaft Konten des in Asien beliebten Spiels Lineage gekapert und verkauft zu haben. Mit dem Geld soll Nordkoreas Atomprogramm mitfinanziert worden sein. Gut möglich – das dortige Regime ist für kriminelle Methoden bekannt.

Quelle: computerbild.de