| Wir Österreicher bedienen das Klischee der sympathischen Schlampigkeit perfekt. Und wir sind stolz darauf, nicht so methodenfixiert wie die Deutschen und nicht so paranoid wie die Schweizer zu sein. Das ist großartig, das ist genau das, was Wien zur attraktivsten Stadt der Welt macht. Die schlechte Nachricht ist: Wir gehen die IT-Security auch im Finanzdienstleistungsbereich mit der gleichen Nonchalance an. Im Übrigen, so lautet die gängige Ansicht, ist alles ja gar nicht so schlimm, denn unsere Kriminalität ist im weltweiten Vergleich ohnehin gering -also warum sich zu viele Gedanken um die Sicherheit der Bankdaten machen? Warum, um aus der Sicht der Finanzdienstleister zu sprechen, Geld in teure Sicherheitstechnologien investieren, wenn "eh kaum etwas passiert"? Aus dieser Perspektive ergeben sich leider einige Probleme. Fangen wir damit an, dass die Daten, die Finanzdienstleister verwalten, nicht deren Eigentum sind, sondern unsere Daten. Es handelt sich also nicht um deren, sondern um unser Geld, mit dem sorglos umgegangen wird. Cyberkriminalität. Eine der besonders unangenehmen Eigenschaften von Cyberkriminalität ist, dass sie keine Grenzen kennt. Es nutzt also nichts, zu hoffen, dass man uns schon nicht auf der Landkarte finden wird. Für einen moldawischen, brasilianischen oder russischen Hacker ist Österreich ganz besonders interessant, denn hier ist nicht nur Geld zu holen, sondern dieses ist auch -im Gegensatz zur Schweiz -nach wie vor zu großen Teilen unzureichend geschützt. Für uns Österreicher ist die Schweiz gemeinhin eine "Insel der Paranoiden". Es mag sein, dass Schweizer übertrieben vorsichtig sind. Doch bei Finanzdienstleistungen hört sich der österreichische Spaß dann doch auf. Wenn eine durchschnittliche Stadtverwaltung in der Schweiz einen höheren Sicherheitsstandard hat als ein durchschnittliches österreichisches Finanzinstitut, sollte uns das zu denken geben. Dann ist es passender, Österreich als "Insel der blinden Seligen" zu bezeichnen. Im Gegensatz zur verbreiteten Ansicht, dass "eh kaum etwas passiert", zeigt die Erfahrung, dass leider unvorstellbar viel passiert. Es ist nur auch eine typisch österreichische Unart, darüber einfach nicht zu reden. Sicherheitspannen. Im Unterschied zu Ländern wie Großbritannien gibt es keine Veröffentlichungspflicht, wenn Daten eines Finanzdienstleisters gestohlen werden oder abhanden kommen. Wir können also davon ausgehen, dass wir die meisten Sicherheitspannen gar nicht mitbekommen. Das ist aber kein Grund, zu verzweifeln: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Vor zehn Jahren noch hätte sich niemand vorstellen können, dass die Republik Österreich einmal der intelligenteste staatliche Anwender von IT-Technologie sein wird, den es weltweit gibt. Tatsächlich ist das aber heute so. Unser E-Government ist vorbildlich. Das beste Beispiel dafür ist die E-Card, mit deren Einführung sich die Deutschen noch heute plagen. Schadensvermeidung. Das heißt: Wir können furchtbar effizient sein, wenn wir wollen. Und dieses Potenzial können wir auch im Finanzdienstleistungsbereich nutzen, um Daten sicherer zu machen. In der IT ist es oft nicht schwierig, einen Nachteil in einen Vorteil umzuwandeln. Die Technologie ist vorhanden und sie ist ausgereift. Finanzdienstleister tun also gut daran, diese Technologien auch einzusetzen. Denn wenn es wirklich einmal zu einer Panne kommt, die sich nicht mehr unter den Teppich kehren lässt, haben nicht nur die Kunden einen materiellen Schaden, sondern die Banken für lange Zeit ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem. Quelle: wirtschaftsblatt.at |
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